8. Dezember
Do you see what I see? Do you hear what I hear? Do you know what I know? Listen to what I say!
Na, klingelt es bei diesen Zeilen? Im wahrsten Sinne… da könnten gerade die Glöckchen bei Ihnen klingeln.
Diese Zeilen stammen aus einem der berühmtesten modernen Weihnachts-Oldies unserer Zeit, Do you hear what I hear?
Siehst Du, was ich sehe?
Hörst Du, was ich höre?
Weißt Du, was ich weiß?
Höre, was ich sage!
Die Antworten auf die ersten drei Fragen lautet: Nein.
Die Neurowissenschaft zeigt uns, dass unsere Perzeption (klug für Wahrnehmung) von so vielen Faktoren abhängig ist, dass es quasi unmöglich ist, dass zwei Menschen gleichzeitig identisches wahrnehmen können. Erst recht nicht eine noch größere Menge von Leuten.
Die Variablen dafür, dass wir unterschiedlich hören, sehen, körperlich fühlen, riechen, schmecken und uns räumlich orientieren, sind vielfältigst und verändern sich über unsere gesamte Lebensspanne.
Unser Leben gestaltet dabei unseren ganz persönlichen Kontext, durch den wir Dinge wahrnehmen und bewerten. Unser Geschlecht spielt eine Rolle, unsere gesellschaftliche Prägung, unser Alter, Bildung, Vorerfahrungen. Diese Liste ließe sich beliebig fortschreiben.
Der Wunsch, in völliger Übereinstimmung Dinge wahrzunehmen, völlige Überlappungen herzustellen, bleibt also der fromme Wunsch eines Weihnachtsschlagers.
Was ist da los? Sind wir verdammt zur individualistischen Isolation?
Nein.
Was uns verbinden kann, sind universelle Werte. Werte, die nichts mit der eigenen Sozialisation und Lebensentwurf zu tun haben (müssen).
Und welche Zeit ist besser als die Weihnachtszeit, um sich über diese allgemeingültigen Werte Gedanken zu machen?
Welche sind das? Was meinen Sie?
Stoppen Sie kurz das Lesen und überlegen, welche Werte Sie für sich identifizieren. Was steckt für Sie hinter dem diffusen Weihnachtsgefühl?
Für mich sind es Dankbarkeit, Mitgefühl, Hilfsbereitschaft und Liebe.
Was das im Einzelnen bedeutet, gestaltet sich wahrscheinlich wieder individuell und ist trotzdem universell. Denn niemand wird die Hilfsbereitschaft grundlegend anders deuten und auslegen als ein anderer? Oder?
So individuell wie wir Weihnachten feiern, leben wir auch. So individuell wir leben, feiern wir Weihnachten. Das ist gut so und auch nicht veränderbar.
Aber die Besinnung auf gemeinsame Werte ist eine gute Idee, finde ich. Für die Vorweihnachtszeit und jede Zeit danach.



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