2. Dezember
Um was geht es eigentlich?
Früher war nicht alles besser. Nein.
Früher war mehr Lametta und weniger Wichteltür.
Wichteltür...
Ja, Wichteltür.
Seit einigen Jahren trenden diese pittoresken Kleinode der Vorweihnachtszeit bei Insta, Pinterest und Co.
In der Zwischenzeit kann man Wichteltürenbausätze an jeder Ecke erstehen, wenn man keine Zeit oder Lust hat, sie individuell zu schreinern.
Dann steht plötzlich eine kleine Pforte an irgendeiner Stelle im Haus, irgendwo über der Fußleiste. Daneben eine Leiter, ein Briefkasten und sonstige Utensilien, die das Ganze süß erscheinen lassen.
Niedlich.
Noch etwas, auf das sich die Kleinen freuen können.
Noch mehr.
Nein. Ich bin da nicht kritisch. Kritisch bin ich jedoch gegenüber der Selbstverständlichkeit, mit der wir unseren Kindern potenzielle Traditionen aufs Auge drücken, ohne zu hinterfragen, was sie für sie bedeuten könnten.
Einig sind wir uns, dass Wichtel in der bundesdeutschen Vorweihnachtstradition lange keine Rolle spielten. Somit gilt es den liebevoll aufgebauten Bausatz mit Inhalt zu füllen. Und das kann schnell hohl werden.
Plötzlich sind Wichtel im Haus.
Puh. Für ein Kinderherz kann das eine Menge Gefühlsarbeit bedeuten.
Für uns Erwachsene ist es trivial, wir wissen, dass sich hinter der Tür nach wie vor nur die Raufasertapete verbirgt und das Wichtelhaus in den nächsten Wochen wieder im Wichteltürkarton verschwinden wird. Kein Wichtel wird zu Schaden kommen, weil es keine Wichtel gibt.
Bei unseren Kindern lösen wir jedoch einen Sturm von Gedanken und Gefühlen aus. Das ist gut. Wenn es reflektiert und eingebettet stattfindet.
Oftmals ist dafür aber keine Zeit oder Kreativität da. Der wurde schon beim Gestalten des Adventskranzes und des Adventskalenders auf eine harte Probe gestellt.
Ich bin kritisch, denn wir (meine Generation) scheint dazu zu neigen, jegliche Vorweihnachtstradition aus aller Welt, lächelnd und ohne größere Fragezeichen zu adaptieren.
Weiterentwicklung ist super. Davon bin ich ein großer Fan. Es ist gut, dass wir eigene Traditionen entwickeln und nicht nur das nachahmen, was wir aus unserer eigenen Kindheit mitbringen.
Jedoch sollten wir die Protagonisten der Vorfreude, die Kinder, dabei nicht aus den Augen verlieren.
Wir warten auf Weihnachten. Und dabei geht es - in unserer christlichen Tradition - um Nächstenliebe, Solidarität und Dankbarkeit.
Diese Werte zu verpacken, mit Geschichten zu umschreiben und zu transportieren, ist eine großartige Aufgabe. Sie ist lebhaft, sinnvoll, liebevoll, kindgerecht und sie bereitet Kinder auf das Leben vor.
Wichteltüren können dabei ein Baustein des Erzählens sein. Wenn sie das nicht sind, sind sie letztlich nur eine billige Ablenkung von den Fragen, die Kinder wirklich beschäftigen.
Für uns Erwachsene ist es trivial, wir wissen, dass sich hinter der Tür nach wie vor nur die Raufasertapete verbirgt und das Wichtelhaus in den nächsten Wochen wieder im Wichteltürkarton verschwinden wird. Kein Wichtel wird zu Schaden kommen, weil es keine Wichtel gibt.
Jedoch sollten wir die Protagonisten der Vorfreude, die Kinder, dabei nicht aus den Augen verlieren.
Wichteltüren können dabei ein Baustein des Erzählens sein. Wenn sie das nicht sind, sind sie letztlich nur eine billige Ablenkung von den Fragen, die Kinder wirklich beschäftigen.



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