Gedanken am Sonntag 18.09.2022
Es regnet wie aus Eimern. Gut. Die Natur hat´s nötig.
So ist er da. Der erste graue Regensonntag der Herbst/Winter-Saison 2022.
Viele werden folgen.
Früher war ich mir gar nicht bewusst, dass es Menschen gibt für die graue Regensonntage eine harte Herausforderung sind: Eltern.
Seit fast einem Jahrzehnt zähle ich nun auch zu dieser Zielgruppe und kennen die Schwierigkeiten, die entstehen wenn sich Aktivitäten nicht automatisch ergeben.
Zeit muss wieder pro-aktiv gefüllt werden. Oder es herrscht einfach mal Langeweile. Langeweile ist nicht schlimm. Manchmal aber die mahnenden Kinderworte, die das anders sehen.
Auf dem Wanderparkplatz, auf den ich von meinem Arbeitszimmerfenster gucke, startet heute ein Event.
Ein historischer Bus fährt auf und ab. Wanderparkplatz - historische Zeche - Wanderparkplatz - Busbahnhof - Wanderparkplatz... usw.
Interessiert nur niemanden. Der Bus ist konsequent leer und fährt konsequent seine Runde.
"Seltsam", denke ich mir "in dieser Zeit, in der wir alle vom Energiesparen sprechen und uns dazu selbstverpflichtet fühlen, fährt also ein rußender Bus leer seine Runden. Aus dem simplen Grund, dass es so vor Monaten geplant wurde." Seltsam. Irgendwie unnötig.
Ich ärgere mich und denke nach. Irgendwie ist es ja auch schön, dass wir uns solche Unnötigkeiten leisten können. Ein Eventbus ohne Gäste. Ein pflichterfüllter Busfahrer. Die Möglichkeit eine gute Zeit zu haben. Und die Entscheidungsfreiheit es nicht zu tun.
Der Winter steht vor der Tür und niemand von uns weiß was er bringen wird.
Wird er warm und sparsam - bezogen auf mögliche Heizkosten, oder wird er ein echter Winter und nötigt uns teure Heizleistung ab.
So oder so, viele Menschen schauen angstvoll auf das was kommt, denn die steigenden Kosten fressen an vielen Orten das Budget für Nebenherspaß auf.
Es ist gut, dass dieser Bus kostenlos rollt und eine Möglichkeit bietet sich unterhalten zu lassen.
Auf der anderen Seite ist es nun die Zeit sich darüber Gedanken zu machen, wie wir uns als Gemeinde, Gemeinschaft und Gesellschaft so aufstellen, dass wir das abpuffern können was auf uns zukommt.
Der kreisende Bus erinnert mich daran, dass der Verzicht auf manchen Luxus an anderen Stelle Dinge entstehen lassen kann, die helfen, Gemeinschaft stärken und Spaß machen. Das Eine schließt das Andere nicht aus.
Es geht nicht um bitteren Ernst und Verstocktheit, aber darum zu schauen was wir miteinander und füreinander tun können.
Wir können gute Ideen entwickeln, starten und überprüfen. Wenn niemand mitfahren will, dann stoppt der Bus halt. Das ist keine Niederlage, sondern ein Impuls die Sache anders weiterzudenken und weiterzumachen.
Jetzt ist die Zeit vorzusorgen und zu überlegen: was können wir tun, damit es uns und unserem Umfeld gut gehen kann.
Es geht nicht um Gönnerhaftigkeit, sondern darum zusammenzurücken und zu teilen. Zum ersten Mal in der Geschichte meiner Generation sind Wärme und Licht nicht mehr einfach da. Das ist neu, das macht Angst und bietet Chancen.
Es ist an der Zeit Nachbarschaft, Gemeinde, Gemeinschaft und Gesellschaft wieder in den Vordergrund zu stellen und Nöte und Not aufzufangen.
Für mich steht der rußende, alte Bus für eine Zeit in die er gepasst hat. Heute wirkt er deplatziert. Trotzdem ist es gut, dass es ihn gibt. Er gehört noch dazu, als Andenken.
Es kommen nun viele graue Regensonntage. Sonntage an denen wir überlegen können wie wir mit unseren Möglichkeiten dafür sorgen, dass der Bus nicht für diejenigen abfährt, die aufgrund der vorherrschenden Krise in Hilflosigkeit oder Not geraten.
Danke für diese Erinnerung und dieses billige Wortspiel, lieber Bus vor meiner Tür. ;-)



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