Wandern mit Kindern
Für viele von uns ist „Wandern“ verbunden mit dem sonntäglichen Horror des gemeinsamen Spaziergangs mit den Eltern.
(M)eine ganze Generation empfand wandern als das was es zu vermeiden galt. Wandern, das machen nur Langweiler und Bayern.
Mit Kindern wandern ist aber so viel mehr als ein Spaziergang. Ein Spaziergang zielt darauf ab gemütlich zu sein und dient dem Zeitvertreib an der frischen Luft.
Wandern ist Weg. Und eine Metapher für jede Art von Weg.
Wandern mit Kindern ist gemeinsame Zeit in der Natur, die man gemeinsam gestalten kann.
Und wenn die Kinder nicht das Gefühl bekommen, genervt hinter den Erwachsenen hertrotten zu müssen, gestalten sie diese Zeit gerne selber.
So können Kinder schon im Grundschulalter die Wander-Navigation übernehmen - und somit die gefühlte Verantwortung. Das prägt und fördert das Selbstvertrauen.
Die Motivation dazu ist automatisch da und muss nicht angeregt werden. Denn das Ziel will ja erreicht werden.
Wandern ist Anstrengung und Entspannung in einem.
Wandern ist Ablenkung ohne ein Zuviel von Eindrücken.
Wandern ist Weg, der zurückgelegt werden muss. Denn spätestens ab der Hälfte macht Umkehren wenig Sinn. Und wenn man mal abbricht, dann schult das den eigenen Umgang mit Misserfolgen.
Wandern fordert körperlich, ohne dass es dazu spezielle Ausrüstung, Termine oder Teammitglieder geben muss. Man kann es einfach machen.
Wandern ist gelebte Physiologie. Hier machen schnelle Kalorien Sinn und Kinder können die energiespendende Wirkung von Süßigkeiten erfahren. So kann man über den Nutzen und die Nachteile verschiedenerer Lebensmittel ins Gespräch kommen. Anhand von Erfahrungen und ohne erhobenen Zeigefinger.
Wandern mit Kindern fördert ein Wir-Gefühl. Denn, anders als bei anderen Sportarten, gibt es beim Wandern niemanden der das Kommando oder Ruder übernehmen muss. Kinder sind von Anfang an Teil einer homogenen Gruppe und können eine eigene Rolle einnehmen.
Man geht zusammen. Nicht mehr und nicht weniger.
Wandern fördert das Vertrauen wenn Kinder spüren, dass die begleitenden Erwachsenen für alle Situationen eine Lösung haben (deshalb sollten Erwachsene auch kurze Wanderungen immer gut vorbereiten, wenn Kinder mit dabei sind!).
Wandern fördert das Vertrauen von Kindern in die eigenen Kräfte und gibt ihnen die Möglichkeit etwas eigenes zu schaffen. Es ist ein sinnliches Erlebnis, das sich von vorgefertigten Erlebnissen (wie etwa in Freizeitparks) dadurch unterscheidet, dass es nicht berechenbar ist. Man befindet sich im Moment und ist abhängig vom Wetter, den Temperaturen und dem eigenen Umgang damit. Es ist kein kurzer Kick, sondern ein Weg am dessen Ende ein sehr befriedigendes Gefühl steht.
Wandern mit Kindern ist Pädagogik, Psychologie und Philosophie ohne Holzhammer.
Und es ist einfach schön.



Kommentare
Kommentar veröffentlichen