Abschied


 Als mein erstes Kind seine Kindergartenzeit startete war es für mich undenkbar, dass diese Zeit einmal enden könnte.

Jetzt ist auch K2 dabei dieses Kapitel abzuschließen und wir sind auf dem Gelände des Kindergartens, um den Anlass zu zelebrieren.

Es werden warme Worte gesprochen und Luftballons als Zeichen des Flüggewerdens in den klaren Himmel entlassen. Es gibt Apfelsaftschorle - eigentlich ein bisher pädagogisches No Go - zur Feier des Tages und Eis.
Die Kinder stolzieren zwischen all dem mit ihren noch leeren und neuen Schulranzen umher, die alle viel mehr blinken und blitzen als zu meiner Zeit.

Ich höre in mich hinein. Da ist etwas Wehmut und auch Freude. Im Großen und Ganzen lässt mich die Sache aber erkennbar unberührt. Ich bin gerne da, weil sich mein Kind freut. 
Es gibt für mich aber kein Gefühl des Abschieds.

Warum? Frage ich mich.

Schon vor der Geburt eines Kindes gibt es heute mehr Festivitäten als früher in den ersten zehn Lebensjahren gemeinsam. Die Feststellung der Schwangerschaft ist ein Fest, dann wird mit großem TamTam das Geschlecht offenbart. Wenn das Kind da wird "babygepinkelt" und am ersten Geburtstag gibt es mehr Brimborium, als seinerzeit auf der Hochzeit von Charles und Diana.
Und auch da haben wir ja schon gelernt, dass öffentliche Zurschaustellung und ordentlich einen raushauen kein Garant für Glück und Zufriedenheit sind.

Nein, versteht mich nicht falsch. Ich finde es super, dass wir uns heute viel mehr um unsere Kinder kümmern sollen, dürfen und können als es den Generationen vor uns oft möglich war.
Das ist für die Entwicklung eines Kindes mit Sicherheit selten schädlich.

Und trotzdem entdecke ich oft den Druck bei (jungen) Eltern möglichst viel und häufig das Leben und Können des eigenen Kindes zu rühmen. Nicht aus einem tief verwurzelten Gefühl heraus, sondern aufgrund eine gesellschaftlichen "Das macht man so"´s. 

Die Kinder stehen dann im Vordergrund. Als Objekt. Sie sitzen auf ihrem instagrammablen Thron und dienen den Erwachsenen als Ventil für die eigene Verklärung. 
Nähe generiert sich dadurch keine. Lediglich Strohfeuer gefühlter Nähe und Geborgenheit durch von außen herangetragener und verordneter Fröhlichkeit.

Ich gehe den Weg mit meinem Kind weiter. Und auch der Start in die Grundschule ist gar nicht eine so große Sache wie manche von uns es zelebrieren. Letztlich ist es sogar eine Pflichtübung, ein vorgeschriebenen Weg.

Ich finde es toll meine Kinder begleiten zu dürfen und an ganz persönlichen und individuellen Stellen das gemeinsame Glas zu erheben. Denn oft sind es Kleinigkeiten, die wirklich wichtig sind und nicht die großen Schritte. Die gr0ßen Schritte sind oft etwas sehr privates, inniges.

Ich finde es toll die Übergänge meiner Kinder begleiten zu können, und dazu gehört auch der Wechsel vom Kindergarten in die Schule und von der Grundschule zur weiterführenden Schule.
Übergänge sind aber auch immer Veränderungen, Krisen. Und ich möchte auch den negativen Aspekten solcher Veränderungen Raum bieten und meinem Kind zeigen, dass es sie ansprechen und ausleben darf.
Es ist nicht immer alles super. Und gerade ein Abschied kann auch belasten.

Begleiten ist nicht gleichzusetzen mit Schönreden. Begleiten heißt das aufzunehmen was da ist. Manchmal ersticken wir unsere Kinder in einem bunten Zuckerguss von "Oh, wie toll"´s und lassen nicht zu, dass wir Abschiede und Übergänge gemeinsam aushalten, betrauern und gemeinsam nach dem individuell Gutem suchen. 

Kinder sind richtig gut darin uns zu zeigen was sie gerade brauchen. Wir müssen nur zuhören und hinschauen.

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